Das technische Artemis-Fiasko im grellen Licht von 70 Jahren staatlicher Raumfahrt

Meine Korrespondenzen mit aufmerksamen Beobachtern haben mir angesichts der sich erst abzeichnenden «Artemis-Planungskatastrophen» klarer denn je gemacht, dass derlei schon in der Vergangenheit passiert ist und sogar die wichtigsten Marksteine seit der Pionierzeit der Raumfahrt im Rückblick erklären kann. «Space is hard» brauchte man dem Bürger 1957 noch nicht zu erklären. Niemand dachte damals, begleitende Tiefpunkte der menschlichen Zivilisation bereits erkennen zu dürfen. Bonmots von grossen Denkern wie «Die Überwindung der Bürokratie erwies sich als schwieriger als die Überwindung der Schwerkraft» gelangten eher in Feuilletonspalten als in ernsthafte Schriften zu exponierten Abgründen von Management-Regeln. Auch jene mussten jeweils abgeschwächt und voller Zynismen relativiert werden, um sie weniger abschreckend lesbar und ihre Wirkung daher nur häppchenweise wirksam zu machen. Institution Staat musste vor dem Bürger trotz eben überstandenem 2. Weltkrieg weiterhin hoch gehalten werden.
Anlass zu solchen Erkenntnissen gab neulich ein NASA-Artikel. Ich habe versucht, bei meiner Analyse zuhanden von Freunden 7 Punkte hervorzuheben:
1) Die PR-Autorin des NASA-Artikels über “Mondprojekt” Artemis hat zwar ihren Arbeitgebern zweifellos Freude bereitet, es aber in der Tat nicht geschafft, etwas Brauchbares z.B. für mich oder viele ernsthafte Analysten zu vermitteln, deren Verwirrung im Internet offensichtlich blieb.
2) Wenn dieses Artemis etwas mit “nachhaltigem Treibstoffsparen” zu tun haben soll, dann kann man beim gleichen Kopfstand die NASA-Philosophie übernehmen und behaupten, die SLS-Architektur sei Massen-effizienter und wiederverwendbarer als ein StarShip! Sorry für die Direktheit: “Zwecklügen von Verlierern ergeben meist eine gute Definition der WOKE-Philosophie”.
3) Die Architektur der Mondflüge à la Wernher von Braun (WvB) bzw. Projekt Apollo bestand darin, dass man jeden Mond-Hinflug grundsätzlich so plante, dass das Raumschiff binnen 3 Tagen von selber wieder zur Erde zurückfiel, selbst wenn nach dem Einschuss TLI (Translunar Injection) zum Hinflug alle grossen Triebwerke ausfallen sollten. Die Fein-Navigation genügte dann für eine sichere Rückkehr zur Erde. Bei späteren Apollo-Missionen wurde man nach gelungenem “TLI” mutiger und wagte sich bei den ersten Kurskorrekturen bereits auf einen Orbit, der diese Sicherheit nicht mehr ganz bot, dafür den späteren Erfordernissen für “schwierigere Landeplätze” näher kam. Das hat sich bei Apollo 13 bis und mit Apollo 17 bewährt und musste dem Wunsch nach minimaler Missionsdauer für die Astronauten nie widersprechen!
4) Artemis ist genau das Gegenteil davon und macht bestenfalls ‘WOKE-Sinn’, wenn der Zweck des Projektes darin besteht, dessen eigenen Erfolg zu verhindern, also die Zielsetzung der NASA nach Apollo zu verfolgen: Stagnation der Raumfahrt für ein halbes Jahrhundert! Während die US-Gewerkschaften zuvor wegen dem “Sputnik-Schock” nicht verhindern konnten, dass nur die Besten der Besten in der Industrie brauchbar waren, liessen sich später auch mit der zweiten und dritten Garnitur von weniger motivierten Raumfahrtingenieuren eine politische Struktur aufbauen, welche der Kongress und die Gewerkschaften voll unter ihrer Kontrolle hatten.
5) Die ganze de-facto-Misswirtschaft wurde also von einer natürlichen Konstellation begünstigt, als die Raumfahrt so “kompliziert” geworden war, dass sie nur noch von ganz wenigen Prozent oder Promille der Population und schliesslich nur noch Genies wie Elon Musk überblickt werden konnte. Damit erfuhr die Öffentlichkeit garantiert nie mehr die ganze Wahrheit und die ausbildungsbedingt gelähmte Journalistik (“art history and surfboarding”) hatte freie Hand im Dienste der Politik mit ihren oft über 90% Juristen, welche nie auch nur die paar Wochen Probezeit eines Ingenieurstudiums überstanden hätten.
6) Die Regierungen mussten also schon früher nur noch dafür sorgen, dass destruktive Rahmenbedingungen (staatlich ergebene Luftämter, Desinformation, Umweltspleen-Behörden oder rein bürokratische Bremsmassnahmen) die wenigen historischen Pioniere von Koroljow, Wernher von Braun bis zu Elon Musk in Schach halten konnten, um die Zivilisation auf niedrigstem Niveau vor solchen Revolutionären zu “schützen”. Stalin befreite Koroljow auch erst aus dem Knast in Sibirien, als dieser bereits sehr krank war, man aber dessen zuverlässige Raketen brauchte, um schwere Wasserstoffbomben über interkontinentale Distanzen zu befördern. Wernher von Braun liess man den ersten Erdsatelliten erst starten, als man den Sowjets für Sputnik ein Jahr Vorsprung gelassen hatte. Der Raketenpionier im 2. Weltkrieg war nicht per Zufall auch die von der stärksten Lobby in den USA designierte “persona non grata”, eine historische Fehleinschätzung, die fatalerweise zum sichtbarsten Eigengoal des 20. Jahrhunderts führen sollte!
7) Es sieht ganz danach aus, dass das von Politikern gesteuerte NASA-Programm ein 2. Mal nach 1957 in eine Katastrophe führen sollte, indem man das wiederverwendbare StarShip, ein technologisches Weltwunder, zu einem Artemis-Wegwerfraumschiff degradieren will! Man kann nur hoffen, dass Elon Musk bei diesem Unsinn nicht bis zuletzt aus Loyalität mitmacht, ausgerechnet, um die erst kommende Blamage von Artemis abzuwenden. Weil SpaceX ein ganzes StarShip rund tausendmal billiger herstellen kann, als was bei NASA jeder Artemis-Flug von neuem kosten würde (!), ist es denkbar, dass auf diese Weise erneut Steuergelder in astronomischen Ausmassen verschleudert würden – nur weil die Regierung plötzlich glaubte, sich dies dank Elon Musk leisten zu können…
Leonardo da Vinci hätte diesen Text schon vor 500 Jahren nur zu gut verstanden, wenn man ihm die paar “Fremdwörter” in die Sprache seiner Zeit übersetzt hätte. Seine Gegenspieler sassen noch im Vatikan.
Dürfen Wahrheiten denn nicht für einmal sofort und nicht erst nach Jahrzehnten oder gar nach Jahrhunderten ans Tageslicht kommen?

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