Der Schweizer Weltraum-Experte Dr. Bruno Stanek ist verstorben. Über Jahrzehnte prägte er die öffentliche Wahrnehmung von Raumfahrt und Astronomie in der Schweiz wie kaum eine andere Persönlichkeit.
Bruno Stanek, geboren am 9. November 1943 in Rorschach am Bodensee, studierte an der ETH in Zürich Mathematik und wurde 1971 zum Doktor sc. math. promoviert. Bis 1970 war er Assistent am Institut für Angewandte Mathematik der ETH, Spezialgebiet Himmelsmechanik. Zwischen 1966 und 1972 wirkte er mit Unterbrüchen in der technisch-wissenschaftlichen Programmierung für die Chemische Industrie in Basel, CIBA, Sandoz und kurz bei Swissair.
Danach war Bruno Stanek als Mathematiker, Softwareautor, Schriftsteller und Verleger freiberuflich tätig, nur unterbrochen von 1976 bis 1979 als Dozent an der Ingenieurschule Brugg für Mathematik, Physik und Datenverarbeitung.

Bruno Stanek wurde einem weiteren Publikum vor allem bekannt durch seine Kommentare in Live-Sendungen des Schweizer Fernsehens bei Ereignissen in der Raumfahrt: von den Apollo-Mondflügen 1968 bis zu den Shuttle-Missionen. Eine Besonderheit war als er alle Apollo 13 Astronauten nach der Rückkehr von ihrer riskanten Mission im Schweizer Bundeshaus-Studio als Gäste in seiner Sendung hatte. Er schuf 1975/76 eine eigene, 16-teilige Fernsehserie mit dem Titel «Neues aus dem Weltraum». 2014 schrieber er: «Bis heute verstrich kein Jahr ohne kleinere oder grössere TV-Beiträge auf irgendeinem Sender. Ein gelegentlich bei Vorträgen gezeigter 20-Minuten-Videoquerschnitt dieser inzwischen 46 Fernsehjahre konnte nur etwa einen Tausendstel dieser Tätigkeit dokumentieren!» Auf über 50 USA-Reisen seit 1965 erlebte er zwei Starts zu Mondflügen live, seither unzählige Raketen- und Shuttlestarts, darunter alle vier des Schweizer Astronauten Claude Nicollier – mitsamt der Landung, aus nächster Nähe. Er besuchte die meisten NASA-Zentren, oft zwecks Berichterstattung in den elektronischen Medien.
Er moderierte auch unzählige Events im Verkehrshaus Luzern mit eingeladenen Mercury, Gemini, Apollo und Space Shuttle Astronauten und Ingenieuren inklusive Wernher von Braun, dem Deutsch-Amerikanischen Raketenpionier.
Seit 1969 publizierte Stanek etwa ein Dutzend Bücher und unzählige Zeitungs- und Zeitschriftenartikel zu den Themenbereichen Raumfahrt, Astronomie, Weltraumkunst sowie – vor allem in der Pionierzeit – die Nutzung des Computers. Vier «nicht nur humoristische Sachbücher» ergänzten sein Schaffen. Das erste, «Sparer leben gefährlich» erschien bereits in sechs Auflagen seit 1987. Das dritte, «Wie viel Irrtum braucht der Mensch» wurde 2006 zum Bestseller. Legendär wurde die fast 60-jährige Vortragstätigkeit im In- und Ausland.
Von 1980 bis etwa 1996 investierte er viel Kraft in den Aufbau seiner «Ärztesoftware Dr. Stanek». Hunderttausende Zeilen Programmcode bildeten ein umfassendes Administrationssystem für kleine und mittlere Praxen in über zehn Schweizer Kantonen sowie die Notfall-Dienstplanung einiger Regionen.

Ab 1995 fand er den Weg wieder zurück zu seiner Haupttätigkeit und programmierte seine interaktiven Weltraumlexika von Grund auf. Damit brachte er den ständig aktualisierten Inhalt all seiner früheren Sachbücher über Astronomie und Raumfahrt bei seinem Planetenlexikon und dem Raumfahrtlexikon in elektronischer Form zu ungeahnter Blüte. Ein vervielfachter Text, ein enormes Bild- und Videoarchiv sowie Hunderte von astronomischen Trickfilmen und Simulationsprogrammen aus Eigenproduktion erschienen inzwischen in je vier CD- und zwei DVD-Auflagen unter dem Label «Astrosoftware Dr. B.L. Stanek». Seine letzte DVD «Flugjahre zum Mond» ergänzte die Lexika mit einer Vorschau auf die kommende Wiederaufnahme bemannter Mondlandungen. Seit 2009 trat er auch mit einem ersten abendfüllendem Film an die Öffentlichkeit: «Geheimnisse des Universums». Hier wurde der Zuschauer in 91 Minuten inhaltlich und gestalterisch auf aktuellste Weise in die Himmelskunde eingeführt und ein Leben lang neugierig gemacht. Für 2010 hatte er schon den zweiten Film (106 Minuten) bereit über «Flugjahre zum Mond» – eine auch musikalisch vertonte, aber technisch sehr in Einzelheiten gehende Produktion mit neu veröffentlichtem Material von Apollo bis zur geplanten Wiederaufnahme der Mondflüge.
Stanek setzte sich wiederholt für die Ausbildung ein, so hat er Ende der 1970er Jahre am Technikum Brugg Windisch Mathematik, Physik und Informatik unterrichtet, und war für viele Jahre auch Prüfungs-Experte bei der Maturitätskommission im Kanton Schwyz.
Bruno Stanek hielt über seine fast 60-jährige Karriere als Schweizer Raumfahrtexperte knapp 1300 Vorträge mit immer aktuellsten Informationen zum Stand der Weltraumflüge. Die Renaissance der Innovation bei Raumflügen dank den Errungenschaften von SpaceX füllten seine Vorträge bis in seine letzten Lebensjahre.
Sein grösster Stolz waren seine zwei Söhne und zuletzt insbesondere seine beiden Enkelinnen, die ihn öfters in seinem Haus in Arth besuchten, wo er von 1980 bis zu seinem Tod am 5. Mai 2026 mit seiner Frau Erika Stanek lebte. Er verstarb zuhause im Alter von 82 Jahren nach einem Jahr schwindender Gesundheit umgeben von seiner Familie.
Mit Bruno Stanek verliert die Schweiz einen bedeutenden Vermittler von Wissenschaft und einen prägenden Pionier der populären Astronomie.














