{"id":9132,"date":"2019-03-20T13:31:02","date_gmt":"2019-03-20T12:31:02","guid":{"rendered":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/?p=9132"},"modified":"2019-07-19T19:38:02","modified_gmt":"2019-07-19T18:38:02","slug":"im-leider-vergriffenen-buch-%c2%abwieviel-irrtum-braucht-der-mensch%c2%bb-gabs-ein-kapitel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/weltgeschehen\/2019\/03\/im-leider-vergriffenen-buch-%c2%abwieviel-irrtum-braucht-der-mensch%c2%bb-gabs-ein-kapitel\/","title":{"rendered":"Im leider vergriffenen Buch \u00abWieviel Irrtum braucht der Mensch\u00bb gab&#8217;s ein Kapitel&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nr. 15. Skepsis und ihre Ursachen<\/strong><\/p>\n<p>Wer in Rorschach geboren wurde, ist sich an Verwechslungen bald einmal gew\u00f6hnt. Morschach? Ausl\u00e4nder konnten die beiden eben so sch\u00f6nen, aber recht verschieden hoch gelegenen Orte schon fr\u00fcher schlecht unterscheiden. Dies noch zu Zeiten, als eher Geistliche als Touristen Morschach ob dem Vierwaldst\u00e4ttersee besuchten und es den Swiss Holiday Park dort oben noch nicht gab. Rorschach kannten zumindest die Deutschen um den Bodensee, und so war es recht erstaunlich, dass vor allem Schweizer den Ort fast regelm\u00e4ssig mit dem benachbarten Romanshorn verwechselten. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis ich herausfand, warum. Es hatte n\u00e4mlich mit mir zu tun.<\/p>\n<p>Bis in die 1950er Jahre zahlten viele junge Feuerwerker ihr Hobby mit dem erzwungenen Studium von ausgew\u00e4hlten Kapiteln der Medizin oder noch teurer. Sie haben in Sprengstoff-Attent\u00e4tern eine infame Gilde von Nachfolgern gefunden, welche \u00fcbrigens von gebrannten Kindern viel besser durchschaut werden als von Psychologen. Das Hobby macht n\u00e4mlich durchaus Spass! Schon viel fr\u00fcher blieben den Zeitungslesern die regelm\u00e4ssig erscheinenden Meldungen \u00fcber Ungl\u00fccksf\u00e4lle in Erinnerung, weil sie sich meist sehr \u00e4hnlich waren und sich oft nur im Ort des Geschehens unterschieden. Der Zufall wollte es nun, dass es damals zwei im \u00fcbrigen sehr verschiedene Bastler dieser Art recht nahe beieinander in Raum und Zeit erwischte. Mich noch relativ harmlos, und einige andere gleich miteinander und ganz b\u00f6s. Dennoch, es war die Ursache jahrzehntelanger Verwechslungen, welche die Betroffenen nicht nur den Lustgewinn von Terroristen besser verstehen liessen, sondern auch jenen der Sensationsl\u00fcsternen.<\/p>\n<p>In Z\u00fcrich gab es w\u00e4hrend Jahrzehnten ein Polizeimuseum, das beliebtes Mekka und Geheimtipp f\u00fcr alle wurde, denen der Nervenkitzel von Krimis nicht mehr genug war. Eines Tages musste es aufgehoben werden, weil es dazu ja nicht nur Geld braucht, sondern auch noch Leute, die daf\u00fcr etwas leisten. Ich bekam einen Anruf, ob ich mich f\u00fcr die Rakete interessiere. Welche Rakete? Ja, Ihre nat\u00fcrlich! Unm\u00f6glich, aber es war mir erst nach Minuten m\u00f6glich, immerhin \u00fcberhaupt, den Beamten von der Unm\u00f6glichkeit zu \u00fcberzeugen. Wie gross ist denn die Rakete? Etwa einen Meter. Noch unm\u00f6glicher! Er wusste es nat\u00fcrlich trotzdem und schon seit Jahrzehnten besser. H\u00e4tte er nicht zu guter letzt das Wort Romanshorn fallen lassen, w\u00e4re eine der gr\u00f6ssten Verwechslungen des Landes wohl nie aufgekl\u00e4rt worden. Schlagartig wurde es mir klar, dass diese zentral wirkenden Beamten es waren, die sich bei Museumsf\u00fchrungen w\u00e4hrend rund 40 Jahren mit peinlichstem Unsinn wichtig gemacht hatten und dabei noch staatlich fix besoldet wurden! Jetzt waren mir die unz\u00e4hligen, v\u00f6llig unverst\u00e4ndlichen, Gespr\u00e4che und Anfragen von scheinbar normalen Landsleuten endlich klar: die glaubten doch tats\u00e4chlich im Ernst, da h\u00e4tte es sich um mich gehandelt! Ein etwas mehr zart besaiteter Unanst\u00e4ndiger oder gar ein Jurist im Lande h\u00e4tte sich da bestimmt mit einer Million W\u00e4hrungseinheiten f\u00fcr erlittenen seelischen Schaden entsch\u00e4digen lassen. Ich erinnerte mich dagegen nur achselzuckend an die Zeitungsmeldung des tats\u00e4chlichen Ereignisses, wo auch schon so ziemlich alles falsch war. Dabei hatte ich dem Beamten doch als noch nicht Sechzehnj\u00e4hriger Satz f\u00fcr Satz vom Spitalbett aus ganz genau diktiert. <\/p>\n<p>Haben Sie sich auch schon einmal \u00fcberlegt, was wohl w\u00e4re, wenn ein Zeitzeuge von viel dramatischerem Geschehen vor 3500 Jahren heute pl\u00f6tzlich auftauchen und behaupten w\u00fcrde, bei den Geschichten im Alten Testament sei doch alles ganz anders abgelaufen? Ich w\u00fcnschte ihm f\u00fcr diesen Fall vor allem meine Engelsgeduld im Umgang mit dem realen Homo Sapiens. Diese brauchte ich auch wieder einmal mit dem Pressearchiv des wohl gr\u00f6ssten Zeitungsverlegers im Lande. Auch erst nach Jahren hatte ich n\u00e4mlich gemerkt, dass mein st\u00e4ndig vom 9.11. auf den 9.1. vorverlegtes Geburtsdatum nicht dem Druckfehlerteufel anzulasten war, sondern archivarisch verb\u00fcrgt war! Nach mehreren fruchtlosen Interventionen fragte ich einmal im Scherz, ob es vielleicht nicht einfacher w\u00e4re, wenn ich den Geburtsschein ab\u00e4ndern lasse&#8230; So wird offenbar Geschichte geschrieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nr. 15. Skepsis und ihre Ursachen Wer in Rorschach geboren wurde, ist sich an Verwechslungen bald einmal gew\u00f6hnt. Morschach? Ausl\u00e4nder konnten die beiden eben so sch\u00f6nen, aber recht verschieden hoch gelegenen Orte schon fr\u00fcher schlecht unterscheiden. 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