{"id":557,"date":"2001-12-12T20:43:22","date_gmt":"2001-12-12T19:43:22","guid":{"rendered":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/?p=557"},"modified":"2010-12-02T20:45:00","modified_gmt":"2010-12-02T19:45:00","slug":"%c2%abundank-ist-der-welt-lohn%c2%bb","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/weltgeschehen\/2001\/12\/%c2%abundank-ist-der-welt-lohn%c2%bb\/","title":{"rendered":"\u00abUndank ist der Welt Lohn\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Erschienen im Nebelspalter Dezember 2001<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Amerika, du hast es schwer. Nach dem ersten und dem zweiten Weltkrieg der Europ\u00e4er fing es erneut in Sarajevo und Umgebung an. Auch bei Kuwait und Kabul zeuselten bald wieder die Brandstifter der Gestrigen Welt. Kaum sind die Feuer gel\u00f6scht, meist z\u00fcgiger, als wenn es nach den Prognosenvollstreckern gegangen w\u00e4re, beklagen die Zuschauer, wegen der Feuerwehr seien sie sogar nass geworden! Heilige Einfalt \u2013 was w\u00e4re wohl passiert, wenn die Feuerwehrleute nicht gekommen w\u00e4ren? Da zeigen die Tagesschauen eindeutig beschriftete Getreides\u00e4cke, mit welchen die angeblichen Feinde Amerikas seit Jahren am Verhungern gehindert werden, und m\u00e4nniglich schimpft \u00fcber die Bomben gegen die Verursacher des Elends. F\u00fcr sie treffen Amerikas Flugzeuge immer nur Schulen, Kinder, Spit\u00e4ler und Schwangere. Keinen einzigen Krieger nat\u00fcrlich. Niemand erkl\u00e4rt allerdings, warum die wollbem\u00fctzten Weltverbesserer trotzdem schon nach zwei Monaten jeden Widerstand aufgeben, wo doch die Russen vor ihnen nach zehn Jahren mit Schimpf und Schande den R\u00fcckzug antreten mussten.<\/p>\n<p>Ausgerechnet die verhassten Amerikaner wurden nun aber, wie 1945 in Europa, als Befreier empfangen! Jetzt endlich sind die zusammengetrommelten europ\u00e4ischen Hilfstruppen zum Einsatz bereit und die Schweiz kann ihren Beitrag in Form eines \u00dcberflugverbotes aufheben. Neutralit\u00e4t! Die Normalit\u00e4t ist nach 20 Jahren Krieg in Afghanistan viel schneller eingetreten als die gar nicht neutralen Fernsehanstalten ihre Strategieexperten auswechseln konnten oder der st\u00e4ndig herbeigeredete Winter hereinbrochen ist. Ein ber\u00fchmtes Sprichwort kam zur Anwendung: \u201cSobald sich der Erfolg einstellt, \u00e4ndern die Kritiker ihre Meinung\u201d. Soll man nun auch zur Tagesordnung \u00fcbergehen, wie das die Medien so verd\u00e4chtig schnell getan haben? Besser doch erst, nachdem einige Fragen gestellt sind und aus der Geschichte etwas gelernt worden ist.<\/p>\n<p>Eigentlich hatten die noch Wochen nach dem 11. September 2001 in Europa geschonten Terroristen ihre TV-Beitr\u00e4ge schon f\u00fcr den Milleniumswechsel geplant. Die wachsamen USA und ihre Grenzpolizei Richtung Kanada hatten die Show jedoch erst einmal verdorben. So musste die Special Effects-Truppe von Osama dem Grossen mit der ganzen Regie nach Hamburg, London, Madrid und Paris umziehen, wo man ihr ahnungsloser gegen\u00fcberstand. Die 100-Tonnen-Molotow-Cocktails auf Kosten von American Airlines wurden nun eben von noch l\u00e4ngerer Hand in zwei der sch\u00f6nsten Hochh\u00e4user des Planeten gesteuert. Schweizer Touristen werden jetzt vor allem die Aussicht auf New York und die wundersch\u00f6nen Restaurants dort oben vermissen. Nach 28 Jahren High Life im ungelobten Land, und f\u00fcr immer.<\/p>\n<p>M\u00fcssen vielleicht wir gar nichts lernen \u2013 nur unsere Medien? Doch, es t\u00e4te beiden gut. Zum Beispiel die Lebensweisheit, wonach die Art und Weise, wie dem Besten einer Schulklasse das Leben sauer gemacht wird, nur die Hauptprobe zu einer Auff\u00fchrung ist, welche anschliessend ein Leben lang mit den verschiedensten Besetzungen gespielt wird.<\/p>\n<p>Eigentlich unfair, einem Pr\u00e4sidenten Bush zum Beispiel \u201cun\u00fcberlegte Worte\u201d und \u201cKriegshetze\u201d vorzuwerfen, wenn dieser dem amerikanischen Volk nach einigen piet\u00e4tsvoll abgewarteten Tagen verspricht, die Verantwortlichen f\u00fcr den Tod von 3000 absichtlich Getroffenen bis ans Ende der Welt zu verfolgen. Anderseits aber die schauerlichsten Drohungen der Taliban, die USA und mit ihnen die ganze westliche Welt vom Planeten wegzufegen, im gleichen News-Beitrag nicht einmal zu hinterfragen! Im Gegenteil: es wurden deren permanent als falsch entlarvten Meldungen \u201cneutral zitiert\u201d. Zum Beispiel die Zahlen von \u201cZehntausenden von zivilen Opfern\u201d. Aus der N\u00e4he besehen, hatten diese pl\u00f6tzlich zwei Nullen weniger, obwohl die Gotteskrieger ihre Flugabwehrgesch\u00fctze doch so sch\u00f6n auf Spit\u00e4lern und Schulhausd\u00e4chern platziert hatten, damit die Kameraleute nicht lange nach brauchbarem Bildmaterial suchen mussten.<\/p>\n<p>Fairness gibt es offenbar nur im Sport. Bei der Weltmeinung gewinnt meistens das Feld, nicht der Leader.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen im Nebelspalter Dezember 2001 Amerika, du hast es schwer. Nach dem ersten und dem zweiten Weltkrieg der Europ\u00e4er fing es erneut in Sarajevo und Umgebung an. 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