{"id":541,"date":"2004-01-11T19:05:53","date_gmt":"2004-01-11T18:05:53","guid":{"rendered":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/?p=541"},"modified":"2010-12-02T19:08:58","modified_gmt":"2010-12-02T18:08:58","slug":"interview-mit-trek-zone-network-januar-2004","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/weltgeschehen\/2004\/01\/interview-mit-trek-zone-network-januar-2004\/","title":{"rendered":"Interview mit &#8222;Trek Zone Network&#8220; Januar 2004"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview im Januar 2004 mit dem &#8222;Trek Zone Network&#8220;<br \/>\n(Star Trek Gruppe im Internet) <\/strong><br \/>\nMit freundlicher Genehmigung der Redaktoren.<\/p>\n<p>TZN: Herr Dr. Stanek, wie denken Sie \u00fcber Science-Fiction-Serien und insbesondere \u00fcber &#8222;Star Trek&#8220; &#8211; kann die Serie auch heute noch etwas bewegen und die Menschheit dazu anspornen, in die unendlichen Weiten des Weltraums vorzudringen und irdische Kriege und Probleme zu vergessen?<\/p>\n<p>Dr. Bruno Stanek: Als junger Mann war ich in meinen Vortr\u00e4gen immer stolz auf mein als Hoffnung ausgesprochenes Motto, in Zukunft m\u00f6ge die Raumfahrt und nicht mehr der Krieg Vater aller Dinge sein. Damit waren schon damals alle einverstanden. In jener Zeit wurden in Europa weiterhin &#8222;Star Trek&#8220;-Episoden ausgestrahlt, und die hatten es bei mir schwer, Aufmerksamkeit zu erlangen. F\u00fcr mich fand die Science-Fiction n\u00e4mlich in Form des Apollo-Mond-Programmes t\u00e4glich als &#8222;Science reality&#8220; statt!<\/p>\n<p>Heute sehe ich die Wirkung der beliebten Science-Fiction-Serie auf das Weltrauminteresse des Zuschauers anders, weil ich den Menschen anders sehe als damals mit 25 oder 30 Jahren. Der &#8222;Apollo 13&#8220;-Film hatte mir zus\u00e4tzliche neue paradoxe Erkenntnisse beschert &#8211; die \u00d6ffentlichkeit war 1970 so \u00fcberw\u00e4ltigt und be\u00e4ngstigt vom Ereignis, dass das Konservenerlebnis nach 30 Jahren und die Fakten im Lexikon sie letztlich mehr faszinierten als die Wirklichkeit. Etwas \u00fcberspitzt formuliert: Damals spielte sich die Science-Fiction in der Zukunft ab, heute eher in der Vergangenheit.<\/p>\n<p>Dieses Zur\u00fcckschauen auf vergangene Zeiten bremst den Fortschritt vor allem in Europa und anderen alten Welten st\u00e4rker als zum Beispiel in China oder den USA, also L\u00e4ndern, welche in die Zukunft blicken. Falls Science-Fiction-Filme die Zuversicht bez\u00fcglich unserer Zukunft, wie fr\u00fcher, wieder st\u00e4rken k\u00f6nnen &#8211; ja, das w\u00e4re erneut sehr gut. Ich kenne die &#8222;Star Trek&#8220;-Geschichte vielleicht zu wenig, um entscheiden zu k\u00f6nnen, ob sie hierf\u00fcr geeignet ist.<\/p>\n<p>TZN: Richard C. Hoagland und das amerikanische Projekt Enterprise Mission sind \u00fcberzeugt, dass mithilfe der deutschen Kamera HRSC an Bord von Mars Express ihre Theorien dar\u00fcber, dass es auf dem Mars Leben gab oder gibt, untermauert werden k\u00f6nnen. Wie wahrscheinlich ist es, denken Sie, dass auf dem Mars oder an anderen Orten im Weltall tats\u00e4chlich fremdes Leben existiert hat oder noch immer existiert und dass die Menschheit eines Tages darauf sto\u00dfen wird?<\/p>\n<p>Stanek: Ohne auf die These eingangs Ihrer Frage eintreten zu wollen, haben gerade diese j\u00fcngsten Missionen beim Mars die Aufgabe, der Frage nach Leben im All endlich n\u00e4her zu kommen. Das Paradoxon besteht ja darin, dass wir von den Erkenntnissen der biologischen Evolution auf der Erde her erwarten d\u00fcrfen, dass Leben rundherum im Universum bl\u00fchen k\u00f6nnte. Trotzdem deutet bisher aber nichts auf eine offensichtliche Existenz au\u00dferirdischer Organismen hin, weder im bisher erforschten Planetensystem noch im elektromagnetischen Spektrum von ferneren Quellen.<\/p>\n<p>Hingegen haben sich in den letzten Jahren die Anzeichen vermehrt, dass die physikalischen Bedingungen an den allermeisten Orten im Universum sehr viel lebensfeindlicher sind als man bisher glaubte, annehmen zu d\u00fcrfen. Bei der NASA ist man nach den Erfahrungen mit den beiden im \u00dcbrigen sehr erfolgreichen Viking-Mars-Landern von 1976 diesmal schon zufrieden, wenn wenigstens die physikalischen Umweltbedingungen exakter abgekl\u00e4rt werden. Ich wage daher keine Prognose, wie Beagle 2 die viel schwierigere Frage nach eindeutigen Lebensspuren beantworten wird.<\/p>\n<p>TZN: Sie beobachten die Lage in der Schweiz \u00fcber einen so langen Zeitraum wie kaum ein anderer. Woran mangelt es, dass man in der Schweiz in Sachen Astronomie und Raumfahrt \u00fcber die letzten Jahrzehnte keine gro\u00dfe Entwicklung erkennen kann und man bei der aktuellen Mars-Mission der ESA beispielsweise nur in einem eher kleinen Rahmen beteiligt ist?<\/p>\n<p>Stanek: Interessant: Deutsche Kollegen wollen die gleiche Stagnation in ihrem Land genauso erkennen, und von England wollen wir gar nicht reden! Vielleicht gibt uns Italien eine Antwort, das doch lange Zeit in Europa nicht als gutes Beispiel gegolten hat. Seine klar definierten bilateralen Programme mit der NASA haben das Land zum unverzichtbaren Partner der USA im Raumfahrtbereich gemacht. Solche Zusammenarbeit musste eben nicht am offenbar unm\u00f6glichen Konsens innerhalb der alten Welt scheitern.<\/p>\n<p>In der Schweiz kommt zu diesen Problemen noch die Erosion der industriellen Leistungsbereitschaft erschwerend dazu. Hier galt Astronomie und Raumfahrt ohnehin immer als &#8222;brotlos&#8220; und wird erst einige Jahrzehnte sp\u00e4ter interessant, wenn die Finanzinstitute dank der Risikobereitschaft anderer m\u00f6glichst risikolos investieren k\u00f6nnen. Solche Denkweise hat zur heutigen Situation gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>TZN: Was w\u00fcrden Sie einem jungen Schweizer empfehlen (abgesehen von Auswandern&#8230;), wenn dieser vor der Berufswahl steht, in seinem Land in Sachen Raumfahrt gerne etwas bewegen m\u00f6chte und das Ziel hat, eines Tages auf dem Mars &#8222;gro\u00dfe Schritte f\u00fcr die Menschheit&#8220; zur\u00fcckzulegen?<\/p>\n<p>Stanek: Er m\u00f6ge sich an Claude Nicollier ein Beispiel nehmen! Er hat das Unm\u00f6gliche m\u00f6glich gemacht, nicht das M\u00f6gliche unm\u00f6glich. Er hat aber Physik studiert und auch nicht das harte Los eines Schweizer Milit\u00e4rpiloten gescheut, weil er von Anfang an wusste, dass er als Jurist oder Poet weniger Chancen h\u00e4tte, Astronaut zu werden &#8211; sollte es diese M\u00f6glichkeit je geben. Es hat sie gegeben, und au\u00dfer ihm hat das hierzulande kaum jemand erwartet!<\/p>\n<p>Jungen Leuten m\u00f6chte ich den Rat geben, die Hoffnung nie aufzugeben und vor allem die Chancen nie zu \u00fcbersehen, welche sich in den USA bieten. Dazu muss man allerdings Amerika, seine Sprache und seine Kultur besser verstehen, als das durch den Konsum der Zerrbilder in europ\u00e4ischen Medien m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>TZN: Ist die Schweiz Ihrer Meinung nach eines Tages in der Lage, eigenst\u00e4ndig etwas zu bewegen, oder wird das Land beispielsweise f\u00fcr m\u00f6gliche eigene gr\u00f6\u00dfere Mars-Projekte respektive -Missionsinstrumente auch in ferner Zukunft immer noch auf ausl\u00e4ndische Hilfe angewiesen sein?<\/p>\n<p>Stanek: Gemessen an der Gr\u00f6\u00dfe der Schweiz fand ich es immer erstaunlich, wie viele Institute und Firmen doch immer wieder Bedeutendes geleistet haben! Sie mussten das aber oft ohne jegliche Unterst\u00fctzung und gegen nie aussterbende Widerst\u00e4nde und Vorurteile tun. Letztere konnten jedoch gro\u00dfe, koordiniertere Projekte oft verhindern.<\/p>\n<p>Alle erfreulichen &#8222;Insell\u00f6sungen&#8220; und Anfangserfolge gelangen jedoch dank der Initiative Einzelner. Ich denke hier an eine sehr gro\u00dfe Zahl von Beispielen, welche von der Massenspektrometrie, Sonnen- und Meteoritenforschung an der Uni Bern und der ETH bis zu den Elektromotoren aus Sachseln, den Kupferlegierungen von der Firma Schmelzmetall in Gurtnellen bis zu weltweit konkurrenzf\u00e4higen Nutzlastverkleidungen reichen.<\/p>\n<p>Wenn die Medien vor allem der hoch entwickelten Technik weniger kritisch gegen\u00fcberstehen w\u00fcrden und kompliziertere Zusammenh\u00e4nge vielleicht sogar der Politik verst\u00e4ndlich machen k\u00f6nnten, dann lie\u00dfe sich die Schweiz mit Mitteln von lediglich der Gr\u00f6\u00dfenordnung einer Expo.02 binnen wenigen Jahren an die technologische Weltspitze katapultieren.<\/p>\n<p>TZN: Woher kommt Ihr eigenes Interesse f\u00fcr die Raumfahrt und die Himmelsmechanik?<\/p>\n<p>Stanek: Es begann nach erstem Staunen \u00fcber den Sternenhimmel so etwa 1957 mit dem Beginn des Weltraumzeitalters, als mir einige Lichter aufgingen. Allerdings kam ich in meiner Umgebung nicht auf die Idee, dass man \u00fcberhaupt Pilot oder gar Astronaut werden k\u00f6nnte &#8211; meine &#8222;Raketen&#8220; stiegen daher weniger hoch. Ich w\u00e4hlte die umgekehrte Reihenfolge: Erst Hals- und Beinbruch und ein Jahr im Spital, dann noch gr\u00f6\u00dferes Raumfahrtinteresse, allerdings mehr theoretischer Art, und so wurde ich Mathematiker und Himmelsmechaniker, dienstuntauglich und nicht dem Zwang verfallen, noch &#8222;Unm\u00f6glicheres&#8220; zu versuchen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview im Januar 2004 mit dem &#8222;Trek Zone Network&#8220; (Star Trek Gruppe im Internet) Mit freundlicher Genehmigung der Redaktoren. 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