{"id":502,"date":"2007-08-01T16:49:37","date_gmt":"2007-08-01T15:49:37","guid":{"rendered":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/?p=502"},"modified":"2010-12-02T16:50:55","modified_gmt":"2010-12-02T15:50:55","slug":"bote-der-urschweiz-forum-sommer-2007","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/weltgeschehen\/2007\/08\/bote-der-urschweiz-forum-sommer-2007\/","title":{"rendered":"Bote der Urschweiz &#8211; Forum Sommer 2007"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00abWas man in Galapagos verstehen und missverstehen kann\u00bb<br \/>\nim Bote der Urschweiz Sommer 2007<\/strong><\/p>\n<p>K\u00fcrzlich besuchte ich im IMAX Luzern den wundersch\u00f6nen Film \u00fcber die Pinguine und See-Elefanten in ihrer fernen und fremden Welt S\u00fcdgeorgien vor dem Antarktischen Kontinent. Diesen w\u00fcrde ich allen Lesern empfehlen, wie die allermeisten IMAX-Erlebnisse, aber das ist ein anderes Thema. Abgesehen von vielen bisher unbekannten geografischen Erkenntnissen wurde einem wieder einmal bewusst, wie t\u00fcchtig unsere fernen genetischen Verwandten offenbar sein m\u00fcssen, um in jenem Klima zu \u00fcberleben. Seit Jahrmillionen tun dies nur die Fittesten. Weil es dort nur noch solche gibt, herrscht praktisch v\u00f6llige Gleichheit, was man bei der Krone der Sch\u00f6pfung, dem Menschen, rund um den Globus m\u00fchsam herbeireden muss. Wunderbar nun, in voller IMAX-Qualit\u00e4t am Beispiel der Natur und ihrer kompromisslosen Spielregeln zu beobachten, wie irdisches Leben seit Jahrmillionen die verr\u00fccktesten Klimaschwankungen und Kontinentalverschiebungen \u00fcberlebt hat. Selbst die intellektuelleren und kaufkr\u00e4ftigeren Schweizer Touristen reisen erst selten an den S\u00fcdpol oder nach S\u00fcdgeorgien, aber neuerdings auch schon nach Galapagos, den eigenartigen &#8222;Naturzoo-Inseln&#8220; vor der ecuadorianischen Pazifikk\u00fcste. Ihre Reiseberichte w\u00fcrden einem oft zwingen, alles jahrzehntelang gesammelte Wissen \u00fcber die Evolution \u00fcber Bord zu werfen, wenn man sich nicht etwas Zeit zum Nachdenken n\u00e4hme. Da ist die Rede vom vorbildlichen Kr\u00e4ftespiel der Natur, von unber\u00fchrter \u00d6kosph\u00e4re und erfolgreicher Verhinderung von menschlichen Einfl\u00fcssen. Da g\u00e4be es Tierarten, die es sonst nirgends mehr g\u00e4be! Wirklich? Nun, die genau gleichen nat\u00fcrlich nicht, aber mehr oder weniger verwandte, denn selbst auf den Galapagos-Inseln entstehen Tierarten nicht einfach so aus nichts, obwohl diese verkehrte Vorstellung f\u00fcr einen Kreationisten mit affenartiger Behendigkeit gemeistert w\u00fcrde. Bei genauerer Betrachtung erkennt man die eigenartig byzantinischen Kreaturen durchaus wieder, die sich im Sonderfall Galapagos aus einst t\u00fcchtigeren Schwimmern, L\u00e4ufern unf Fliegern entwickelt haben. Mangels Feinden auf dem abgetrennten Festland bzw. neuen vulkanischen B\u00f6den im Meer sind sie komischerweise nicht t\u00fcchtiger geworden, sondern haben es sich auch ohne staatliche Unterst\u00fctzung w\u00e4hrend ein paar Jahrmillionen gut gehen lassen. Sie haben viele F\u00e4higkeiten verloren, die so lange \u00fcberlebenswichtig waren, bis sie sich \u00fcber Zeitr\u00e4ume gebildet hatten, gegen\u00fcber welchen die dekadente Geschichte von Galapagos nur ein Augenblick ist. Damit erkennbar wird, was man daraus lernen kann, berichte ich ganz kurz von einer herrlichen Reklame in einer Luftfahrtzeitschrift, in welcher karikiert wurde, was mit einer Flugzeugfirma passiert, welche sich nicht mehr vorw\u00e4rts entwickelt. Blickfang war einer dieser Riesenv\u00f6gel aus Galapagos mit seinen viel zu langen Beinen, die eben wichtig werden, sobald man nicht mehr fliegen kann. Da steht er nun, der ungl\u00fcckliche Leistungsverweigerer, mit viel zu kurzen Fl\u00fcgeln und einem unbeschreiblich erb\u00e4rmlichen Gesichtsausdruck, der &#8211; natur pur &#8211; zum Ausdruck bringt, dass das Opfer der Negativselektion genau zu wissen scheint, wor\u00fcber sich seine Umwelt mokiert. Die Werbewirkung eines Inserates von dieser Qualit\u00e4tsklasse wird Jahrmillionen \u00fcberdauern. Welche nat\u00fcrliche Botschaft dahinter steht, muss man allerdings zu sehen belieben. So, wie es Mode geworden ist, f\u00fcr jedes unangenehme Faktum den entsch\u00e4rfenden Irrtum bereitzustellen, werden uns in immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden vorgefertigte Meinungen zur Evolution von Mensch und Tier serviert und, wenn n\u00f6tig, in Form von Paniken verbreitet. Die Politik ist jeweils f\u00fcr den soliden Unterbau der Konstrukte besorgt und delegiert die saubere Entsorgung von allerlei mittelalterlichem Schwachsinn bei unvorhergesehenen Widerspr\u00fcchen an die Medien. Geniessen Sie das Theater als Zuschauer, nur nicht als Mitspieler! Die St\u00fccke folgen sich bald in immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden, um alle Interpreten zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abWas man in Galapagos verstehen und missverstehen kann\u00bb im Bote der Urschweiz Sommer 2007 K\u00fcrzlich besuchte ich im IMAX Luzern den wundersch\u00f6nen Film \u00fcber die Pinguine und See-Elefanten in ihrer fernen und fremden Welt S\u00fcdgeorgien vor dem Antarktischen Kontinent. 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