{"id":498,"date":"2006-08-01T16:43:54","date_gmt":"2006-08-01T15:43:54","guid":{"rendered":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/?p=498"},"modified":"2010-12-02T16:46:24","modified_gmt":"2010-12-02T15:46:24","slug":"bote-der-urschweiz-forum-sommer-2006","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/weltgeschehen\/2006\/08\/bote-der-urschweiz-forum-sommer-2006\/","title":{"rendered":"Bote der Urschweiz \/ Forum Sommer 2006"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00abEin gef\u00e4hrlicher Planetoid\u00bb<br \/>\nim Bote der Urschweiz \/ Sommer 2006<\/strong><\/p>\n<p>Nummer \u201e2004MN4\u201c ist der unter Erdbahn-kreuzenden Planetoiden der bei weitem gef\u00e4hrlichste Himmelsk\u00f6rper. Mit einer Gr\u00f6sse von fast 400 Metern w\u00fcrde er beim Absturz auf die Erde gewaltige Zerst\u00f6rungen anrichten, etwa vergleichbar mit einer 100-Megatonnen-Bombe. Nach der Entdeckung stand nur fest, dass die Berechnungen noch nicht genau genug waren, um mit Sicherheit auszuschliessen, dass er am 13. April 2029 abst\u00fcrzt. Ausgerechnet um die Weihnachtstage 2004 erh\u00f6hte sich die laufend nachgerechnete Kollisionswahrscheinlichkeit t\u00e4glich und erreichte am 26. Dezember 2004 mit einem Wert von 1:37 ein Maximum. Eine Panik blieb nur deshalb aus, weil auf jenen Tag das grosse Seebeben im Indischen Ozean fiel, das einen Tsunami ausl\u00f6ste, der Hunderttausende Opfer in wenigen Stunden forderte. Die ganze Aufmerksamkeit war daher auf das Ungl\u00fcck gerichtet, das sicher stattgefunden hatte, und nicht eines, das 25 Jahre in der Zukunft lag. Je nachdem, wo Planetoid 2004MN4 niedergegangen w\u00e4re, h\u00e4tte er mehr oder weniger Menschen get\u00f6tet, aber man kann sich das Ausmass der Katastrophe doch etwa vorstellen. Die Menschheit als Ganzes w\u00e4re dadurch nicht ausgestorben. Dazu br\u00e4uchte es einen K\u00f6rper von einiges \u00fcber einem Kilometer Gr\u00f6sse, dessen Energie bei 1.5 km Durchmesser etwa das Hundertfache und bei 3.5 km das Tausendfache von 2004MN4 betragen h\u00e4tte. Zum Vergleich: Die Gr\u00f6sse des Planetoiden, der vor 65 Mio. Jahren im Gebiet des heutigen Golfes von Mexiko niedergegangen ist, wird auf gegen 10 km gesch\u00e4tzt. Die Saurier sind wahrscheinlich nicht per Zufall genau damals ausgestorben, wobei dieser Zeitpunkt schon bekannt war, bevor der Absturz entdeckt und datiert wurde. Zum Gl\u00fcck wurde noch \u00fcber die getr\u00fcbten Festtage von 2004 eine vom M\u00e4rz datierende astronomische Sichtung nachtr\u00e4glich gefunden. Sie erlaubte eine wesentlich genauere Bahnbestimmung \u2013 und Entwarnung. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit w\u00fcrde der Brocken am 13. April 2029 nur noch 40&#8217;000 km an die Erde herankommen (rund 10% des Mondabstandes), aber harmlos vorbeiziehen. Von Europa aus b\u00f6ten die Abendstunden Gelegenheit, den Planetoiden w\u00e4hrend bis zu 40 Minuten recht g\u00fcnstig \u00fcber dem Horizont als ein Sternchen mittlerer Helligkeit zu sehen. Entwarnung? Inzwischen hat man festgestellt, dass im Bereich der zu erwartenden Ablenkung ein winziger Unterbereich im \u201eDezimalenchaos\u201c liegt, der den Planetoiden in exakt 7 Jahren wieder dorthin lenkt, wo auch die Erde am 13. April 2036 steht! Das Problem besteht nun darin, dass wir erst 2029 wissen werden, ob der Planetoid tats\u00e4chlich gef\u00e4hrlich ist oder nicht, und dann ist es zu sp\u00e4t! Weil der Vervielfachungseffekt der n\u00f6tigen Ablenkungsenergie im Moment der Umfliegung gleich um einen Faktor von rund 10&#8217;000 w\u00e4chst, muss man unbedingt schon vor 2029 parat sein und nicht erst danach. Wenn wir also sicher sein wollen, ob er uns trifft und allenfalls, was dagegen vorzukehren w\u00e4re, dann muss die Abwehr schon weit vor 2029 anfangen, denn die Entwicklung irgendwelcher Raumsonden und deren Flugzeit erfordert sicher ein Jahrzehnt. Der Entscheid muss also z.B. schon 2019 fallen. Sind aber alle diese Massnahmen mit ihren Kosten im Bereich ganzer Raumfahrtbudgets \u00fcber Jahre hinweg \u00fcberhaupt n\u00f6tig? Haben wir nicht mit einiger Wahrscheinlichkeit Gl\u00fcck, dass uns 2004MN4 zu guter Letzt doch nicht exakt trifft? Angesichts der katastrophalen Folgen w\u00e4re es verantwortungslos, sich darauf zu verlassen. Am sichersten w\u00e4re es, eine kleine Sonde direkt auf dem Himmelsk\u00f6rper zu landen und dessen Orbit schon ab 2018 so genau zu vermessen, dass bis 2019 absolute Gewissheit herrscht. F\u00fcr NASA-Sonden ist solche Pr\u00e4zisionsnavigation Routine. Aber auch die Entwicklung einer solchen Sonde braucht z.B. 7 Jahre, m\u00fcsste also 2011 beginnen, also in f\u00fcnf Jahren. Wer sagt, die Raumfahrt sei sinnlos, m\u00f6ge vortreten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abEin gef\u00e4hrlicher Planetoid\u00bb im Bote der Urschweiz \/ Sommer 2006 Nummer \u201e2004MN4\u201c ist der unter Erdbahn-kreuzenden Planetoiden der bei weitem gef\u00e4hrlichste Himmelsk\u00f6rper. 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