{"id":483,"date":"2003-11-13T16:23:31","date_gmt":"2003-11-13T15:23:31","guid":{"rendered":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/?p=483"},"modified":"2010-12-02T16:25:13","modified_gmt":"2010-12-02T15:25:13","slug":"kolumne-im-bote-der-urschweiz-am-13-november-2003","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/weltgeschehen\/2003\/11\/kolumne-im-bote-der-urschweiz-am-13-november-2003\/","title":{"rendered":"Kolumne im Bote der Urschweiz am 13. November 2003"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00ab\u00dcbertriebene Empfindlichkeiten\u00bb<br \/>\nim Bote der Urschweiz vom 13.11.2003<\/strong><\/p>\n<p>Ja, der Flugl\u00e4rm, auf den die nicht minder sensiblen Br\u00fcder am alemannischen Nordufer des Rheins genau so zunehmend reagieren! Als ich vor 40 Jahren vom Bodensee nach Z\u00fcrich-Nordwest z\u00fcgelte, da gab es noch die \u00fcberladene Tupolew, welche n\u00e4chtlich zwischen 23:30 und 00:30 ihren tiefen Bogen s\u00fcdlich \u00fcber mein Bett zog. Schon nach wenigen Wochen h\u00f6rte ich sie so wenig wie den Wecker am n\u00e4chsten Morgen.<\/p>\n<p>An diese Gew\u00f6hnung musste ich k\u00fcrzlich wieder denken, als der neue Zeppelin ab Buochs seine Runden \u00fcber die Zentralschweizer Seen zog. Ohne die stark belastende Leserbriefseite einer &#8222;Loz\u00e4rner Zeitung&#8220; h\u00e4tte ich das allerdings gar nicht bemerkt! Da war n\u00e4mlich von ohrenbet\u00e4ubendem Krach die Rede, Fortsetzung des milit\u00e4rischen \u00dcberflugl\u00e4rms und neue Voyeur-Plage \u00fcber den Sonnend\u00e4chern.<\/p>\n<p>Endlich, an einem ruhigen Abend, konnte ich mir ein eigenes Urteil bilden. Da schlich er sich um die Rigi und kam n\u00e4her. Neugierig das Fenster auf, denn ich wollte die Nostalgie aus den 1930er-Jahren auch noch h\u00f6ren! Sofort wieder zu. Die Landwirtschaft, und zwar an der S\u00e4ttigungsgrenze meiner Geruchsnerven, welche von einem gewissen Punkt an nicht mehr feststellen k\u00f6nnen, ob die bei der Umwandlung von einem F\u00fcnfliber in einen Franken wirkende Milchwirtschaft oder der Schweinem\u00e4ster verantwortlich ist. Das Zuckerwassermot\u00f6rli konnte ich leider nur wenige Sekunden ganz leise h\u00f6ren, trotz wenigen Hundert Metern Luftlinie. Deshalb also wollte man die Zeppelinfl\u00fcge schon in der Versuchsphase abw\u00fcrgen! Nicht etwa, weil sich einer die 380 Stutz f\u00fcr ein Billett wegen den so massiv aufgeschlagen Zigaretten nicht mehr leisten kann.<\/p>\n<p>Wie selektiv die Fakten gehandhabt werden, konnte man w\u00e4hrend der j\u00fcngsten Hitzeperiode wieder einmal erleben. Heissester Juni (usw&#8230;) seit Messbeginn! Die mir in Erinnerung gebliebenen heissen Sommerrekorde von 1947 und 1952 werden relativiert mit dem Hinweis, &#8222;damals h\u00e4tte man noch nicht elektronisch gemessen&#8220;. Nun, in jenen Sommern galt immerhin Rasen-Bew\u00e4sserungs- und Autowaschverbot. Keine Erinnerung auch daran, dass im nur 2000 km \u00f6stlich gelegenenen Moskau der k\u00e4lteste und verregnetste Juni seit Menschengedenken in die Geschichte eingegangen war. Erspart blieb uns auch die Meldung, dass in Japan das Stromnetz zusammengebrochen w\u00e4re, wenn nicht ein ungewohnt k\u00fchler Juni f\u00fcr Rettung gesorgt h\u00e4tte. Nicht einmal meine Freunde in Florida hatten es heisser als ich im Epizentrum der Empfindlichkeit.<\/p>\n<p>Erstaunlich dabei, was unsere Wetterfeen schon von den Hausd\u00e4chern pfeifen: Wenn das Hochdruck\/Tiefdruck-Wetterr\u00e4dli rechts- oder linksherum dreht, kommt die Luft eben heiss von Afrika bzw. k\u00fchl vom Nordatlantik. Kein Wunder also, bleiben die Paniker zu beiden Seiten dieses Atlantiks nie unbesch\u00e4ftigt: wenn die einen im Schnee ersaufen, haben die anderen den milden Winter oder den k\u00fchlen Sommer wie 2003 in den USA. Die Satelliten-Sensoren zur gesamten W\u00e4rmebilanz von Planet Erde haben viel mehr M\u00fche, einen eindeutigen Trend herauszulesen als Klimatologen, welche bei den Prognosen ihrer Kollegen jeweils das Radio ausschalten.<\/p>\n<p>Die Erde hat einen Thermostaten, der gr\u00f6sste Schwankungen seit allen Eiszeiten recht gut ged\u00e4mpft hat. Der Mensch aber f\u00fcrchtet sich wie im Mittelalter vor Phantomen und ignoriert gleichzeitig die echten Bedrohungen: \u00dcberbev\u00f6lkerung am falschen Ort, freiwillige Schadstoffbelastung durch Tabak und legalisierte Drogen bei gleichzeitiger Ruinierung der Industrie wegen hundermal geringeren Emissionen, Verteufelung der CO2-neutralen Kernenergie und v\u00f6llige Sorglosigkeit gef\u00e4hrlichen Kleinplaneten gegen\u00fcber, welche mehrmals in der Erdgeschichte die Spielregeln des Zeitgeistes binnen Stunden umgeworfen haben. Nicht zu vergessen die Negativselektion in allzu frommen Gottesstaaten und anderen Diktaturen, welche in Gestrigen Welten so lange verharmlost wird, bis es zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00ab\u00dcbertriebene Empfindlichkeiten\u00bb im Bote der Urschweiz vom 13.11.2003 Ja, der Flugl\u00e4rm, auf den die nicht minder sensiblen Br\u00fcder am alemannischen Nordufer des Rheins genau so zunehmend reagieren! 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