{"id":481,"date":"2003-10-18T16:20:44","date_gmt":"2003-10-18T15:20:44","guid":{"rendered":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/?p=481"},"modified":"2010-12-02T16:23:02","modified_gmt":"2010-12-02T15:23:02","slug":"kolumne-im-st-galler-tagblatt-18-oktober-2003","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/weltgeschehen\/2003\/10\/kolumne-im-st-galler-tagblatt-18-oktober-2003\/","title":{"rendered":"Kolumne im St. Galler Tagblatt 18. Oktober 2003"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00abKonkurrenz schadet nur selten\u00bb<br \/>\nKolumne im St.Galler Tagblatt am 18.10.2003<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber der Mensch kann nicht ewig in der Wiege bleiben&#8220;, sagte der russische Weltraumtheoretiker Ziolkowski schon vor 100 Jahren. Wie viel deutlicher w\u00fcrde er wohl heute, nachdem der Mond betreten, das Sonnensystem weit \u00fcber Pluto hinaus von Raumsonden durchmessen und die ersten Planeten um ferne Sonnen der Beobachtung zug\u00e4nglich geworden sind? Vor wenigen Tagen ist nun die dritte Weltraumnation in den Club derjenigen vorgestossen, welche Menschen mit eigenen Raketen in einen Orbit bef\u00f6rdern k\u00f6nnen. Aus mehreren Gr\u00fcnden ist dies ein historischer Moment. Immer dann, wenn eine Diktatur einen Schritt ins All macht, dann st\u00f6sst die Raumfahrt sogar bei Unkundigen pl\u00f6tzlich auf grosses Verst\u00e4ndnis, w\u00e4hrend selbst bei bedeutenden Erfolgen in einer Demokratie gleich alles kritisch in Frage gestellt wird. Offenbar ein Naturgesetz seit 45 Jahren, als die Sowjetunion mit Sputnik Bewunderung eingeheimst hat, und erst recht seit 34 Jahren, als nach dem Erfolg der Amerikaner auf dem Mond pl\u00f6tzlich nichts mehr gut sein sollte an der Raumfahrt. Freude herrscht nun in Ost und West \u00fcber die Best\u00e4tigung durch die Chinesen, dass am extraterrestrischen Imperativ doch etwas sein muss! Wenn ein riesiges, aber armes, Land mit 700 Dollar durchschnittlichem Jahreseinkommen inzwischen immerhin 2.3 Mia Dollar j\u00e4hrlich aufwendet, um seinem Ziel von &#8222;Raumstationen und einer chinesischen Basis auf dem Mond&#8220; n\u00e4her zu kommen, dann m\u00fcsste sogar die Internationale der Technophobie aufhorchen.<\/p>\n<p>Sachkundige Bef\u00fcrworter sagten es immer wieder: es gibt nicht einen Grund, um Raumforschung zu betreiben, sondern gleich eine ganze Reihe! Der Schreibende bem\u00fcht sich seit Jahrzehnten, diese Erkenntnis verst\u00e4ndlich zu machen. Nun kommt also Sch\u00fctzenhilfe von der bev\u00f6lkerungsreichsten Nation der Erde, der nicht verborgen bleiben konnte, dass unsere Zukunft kaum auf der Erde allein liegt. Je mehr sich die Vermutung verst\u00e4rkt, dass uns im riesigen Universum weitherum niemand konkurrenziert, wird der Gedanke Ziolkowskis zur Einladung, diesen offenbar uns ganz allein geh\u00f6renden Lebensraum auch zu nutzen! Die Chinesen nahmen sich die Freiheit, dies ganz ungeniert auszudr\u00fccken. Sie sind ja daf\u00fcr bekannt, dass sie in langen Zeitr\u00e4umen denken, und wenn sie auch nur 200 Jahre in die Zukunft extrapolieren, dann haben sie ihre Phantasie mit einem teilweise besiedelten Planetensystem nicht einmal \u00fcberborden lassen. Auch amerikanische Planer denken seit langem an die Besiedlung von Mars, die Industrialisierung des Mondes zwecks Schonung der Erde und den Austausch von Rohstoffen und Informationen zwischen Planeten und Planetoiden. Sie h\u00fcten sich aber, allzu offen dar\u00fcber zu sprechen &#8211; aus R\u00fccksicht auf den Steuerzahler und eine verbreitete Technikfeindlichkeit. Die Chinesen tun sich da viel leichter, weil ihre Planung diktatorisch durchgesetzt werden kann und ihre Intelligenzia als Nutzniesser solcher Entwicklungen die Begeisterung mit der F\u00fchrung teilt.<\/p>\n<p>Das chinesische Milit\u00e4r als Dachorganisation ihrer Raumfahrtagentur hat aber noch weitere Gr\u00fcnde, um den Fuss ins All zu setzen. Sie haben viel aufmerksamer als Andere beobachtet, wie die USA den &#8222;Schurkenstaat&#8220; Afghanistan in wenigen Wochen fast verlustlos milit\u00e4risch neutralisiert haben, wo sich die scheinbar allm\u00e4chtigen Sowjets selbst als Grenzland \u00fcber ein Jahrzehnt hinweg eine blutige Nase mit Zehntausenden von Toten geholt hatten. \u00c4hnliche Schl\u00fcsse zogen sie aus dem raschen Ende der Kampfhandlungen bei der Befreiung von Kuwait oder der Rettung t\u00f6dlich bedrohter V\u00f6lker in Jugoslawien &#8211; oder der Elimination des Schreckensherrschers im Irak. In allen F\u00e4llen t\u00e4uschten sich die Milit\u00e4rexperten der betreffenden Regimes ebenso wie in den Zuschauerl\u00e4ndern, ebenso der Schweiz: statt einer &#8222;vernichtenden Niederlage der Amerikaner&#8220; blieben erwartungsgem\u00e4ss in allen F\u00e4llen nur Terroristennester \u00fcbrig, welche ja der erkl\u00e4rte Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Pr\u00e4ventivschl\u00e4ge waren. Die chinesischen Milit\u00e4rs haben schneller als die \u00fcbrige Welt verstanden, was den USA diese &#8222;magischen Kr\u00e4fte&#8220; verliehen hat: die Augen und das &#8222;Nervensystem&#8220; ihres Satelliten-Netzes. Sie wissen, dass sich damit sogar das durchgehend militarisierte Nordkorea wie eine Armee von Blinden durch Sehende entwaffnen liesse. Sie f\u00fchlen sich wie Stalin, der von 1945 bis 1949 ohne Atomwaffen dastand. Dieser Unterlegenheit wollen sie nun so schnell wie m\u00f6glich abhelfen. In vier Jahren wird das allerdings nicht gelingen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abKonkurrenz schadet nur selten\u00bb Kolumne im St.Galler Tagblatt am 18.10.2003 &#8222;Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber der Mensch kann nicht ewig in der Wiege bleiben&#8220;, sagte der russische Weltraumtheoretiker Ziolkowski schon vor 100 Jahren. 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