{"id":440,"date":"2003-11-09T00:33:08","date_gmt":"2003-11-08T23:33:08","guid":{"rendered":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/?p=440"},"modified":"2020-09-26T23:00:00","modified_gmt":"2020-09-26T22:00:00","slug":"beitrag-tv-hauszeitung-zu-50-jahre-schweizer-tv-2003","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/weltgeschehen\/2003\/11\/beitrag-tv-hauszeitung-zu-50-jahre-schweizer-tv-2003\/","title":{"rendered":"Beitrag TV-Hauszeitung zu &#8222;50 Jahre Schweizer TV&#8220; (2003)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von der Wirkung des Mondes auf die Erdenwelt&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Als Goldene TV-Zeit bezeichnet man in den USA eine Aera, wo das Fernsehen noch neu ist, erstmals praktisch jedermann angeschlossen ist, erste Strassenfeger entstanden sind und noch nicht zu viele Kan\u00e4le das Publikum \u00fcberfordern. In der Schweiz erf\u00fcllte die Zeit der Apollo-Mondfl\u00fcge (Nr. 7 bis 17 von 1968-1972) exakt diese Definition, wobei hierbei auch noch das Jahrtausendereignis dazukam, den Lebensraum des Menschen auf einen weiteren Himmelsk\u00f6rper zu erweitern. Bei uns fiel diese Epoche zugleich mit der soeben erfolgten Einf\u00fchrung des Farbfernsehens und der h\u00f6chsten Hochkonjunktur zusammen, welche die Menschen wohl jemals erlebt haben. Alle diese Faktoren f\u00fchrten dazu, dass die damals fernsehende Generation die Zeit der Mondlandungen allein schon emotional nie mehr vergessen wird. In diesem Sinne hinterliess das Fernsehereignis einen noch tieferen Eindruck als in den USA selber, wo die &#8222;Goldene TV-Aera&#8220; mindestens ein Jahrzehnt fr\u00fcher stattfand. Dort hatten ausserdem die Vorbereitungsfl\u00fcge der Programme &#8222;Mercury&#8220; und &#8222;Gemini&#8220; fr\u00fcher als bei uns gezeigt, dass viele Zuschauer der Werbung nicht unbedingt n\u00fctzen, wenn sie bei weltbewegenden TV-Ereignissen partout keine Unterbrechungen dulden.<\/p>\n<p>Ideal im Falle der Schweiz war auch der Umstand, dass mit Fernsehdirektor Guido Frei und Abteilungsleiter Eduard St\u00e4uble damals Leute entscheidend waren, welche die historische Bedeutung des Geschehens im All sehr wohl erfassten. Ein grosser Vorteil f\u00fcr mich war die Lehrzeit w\u00e4hrend mehreren Vorbereitungsfl\u00fcgen mit den Mondraumschiffen, bei denen ich mit Guido Capecchi und Ulrich Doerfel wichtige Erfahrungen sammeln und mit den Anspr\u00fcchen des Publikums Schritt halten konnte. Schliesslich standen dem Team ab Apollo 10 der erfahrene Moderator Charles Raedersdorf und ab Apollo 12 der unerm\u00fcdlich begeisterungsf\u00e4hige Regisseur Walter Klapper zur Verf\u00fcgung, welche das geistige Potenzial eines &#8222;Himmelsmechanikers von der ETH&#8220; zu nutzen verstanden. Raedersdorf hatte bereits viel mehr TV-Erfahrung und ausserdem flugtechnische Kenntnisse &#8211; eine ideale Erg\u00e4nzung zu meinen Einblicken in die USA und deren Weltraumprogramm sowie Hochschulkontakten und privaten Initiativen, wozu auch der fr\u00fche Einsatz von Computern geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Im Laufe der Jahre wurden wohl Hunderte von Anekdoten an mich herangetragen, wie unsere Zuschauer diese Nacht erlebt hatten. Da gab es alles von dramatischen Berichten, wie Leute mit gebrochenen Beinen noch vor dem Gipsen die Landung verfolgten, weil Arzt und Patient den historischen Moment nicht verpassen wollten, bis zu einem Junggesellen, der gleich zwei wildfremde US-Touristinnen zum Fernsehabend eingeladen hatte und gerade deshalb beide Ereignisse nie mehr vergessen wird. Leider habe ich nie Notizen gemacht &#8211; es h\u00e4tte ein dickes und s\u00fcffig lesbares Buch ergeben! Sp\u00e4ter vernahm ich, dass noch viel mehr Geschichten dieser Art an die Astronauten selber herangetragen wurden. Aldrin bemerkte einmal in einem solchen Moment zu Armstrong &#8222;Schau mal her, was wir da unten alles verpasst haben, w\u00e4hrend wir auf dem Mond waren!&#8220;<\/p>\n<p>Es gab eigentlich nur zwei Faktoren, welche die uneingeschr\u00e4nkte Begeisterung und den Erfolg dieser Sendungen bremsen konnten. Zum einen war es das, was ich damals die &#8222;Ignoranz der verbl\u00fcfften Pessimisten&#8220; nannte, also die Reaktion derer, welche zuvor die Unm\u00f6glichkeit der Mondlandung nie bezweifelt hatten. Es war die Internationale der Technophobie, welche vom Dampfmotor bis zur Kernkraft jeden Fortschritt begleitet hat. F\u00fcr sie war der Triumph ein schwerer Schlag, der sie von einem Tag auf den anderen in die Gestrigkeit verwies. Zum Gl\u00fcck kam damals noch niemand auf die Idee, die Echtheit der Mondlandungen in Zweifel zu ziehen. Jedermann war noch logisch, dass die Sowjetunion jeden nachweisbaren Schwindel sofort ausgeschlachtet h\u00e4tte. Dreissig Jahre sp\u00e4ter war dies leider den Schw\u00e4chsten unter uns nicht mehr klar, und TV-Sendungen aus solchen Kreisen verunsicherten pl\u00f6tzlich auch scheinbar normale B\u00fcrger.<\/p>\n<p>Der zweite Umstand, der Erfolgssendungen wie &#8222;Apollo&#8220; fortan verhinderte, hing damit zusammen, dass die Siegernation nicht den politischen Vorgaben entsprechend war. Eben noch waren F\u00fchrungsqualit\u00e4ten im All von Sputnik bis Gagarin selbst von Unkundigen gelobt worden, und nun das Gegenteil! Dabei hatte Russland sein Mondprogramm mit den Sond- und Luna-Fl\u00fcgen noch w\u00e4hrend Apollo propagandistisch ausgespielt und erst geleugnet, als die Niederlage beim Rennen zum Mond offensichtlich war. &#8222;Raumstationen&#8220; wurden zur ultima ratio deklariert, weil Russland darin einen milit\u00e4rischen Vorteil erkannte. Dieser Irrtum sollte die bemannte Raumfahrt beider Weltraumnationen w\u00e4hrend dem folgenden Dritteljahrhundert in die Stagnation f\u00fchren. &#8222;Vor 30 Jahren fragten uns alle, warum wir zum Mond fliegen. Heute fragt man uns, warum wir nicht mehr gehen&#8220; fasste der letzte Mann auf dem Mond, Eugene Cernan, seine Erfahrungen zusammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Wirkung des Mondes auf die Erdenwelt&#8230; Als Goldene TV-Zeit bezeichnet man in den USA eine Aera, wo das Fernsehen noch neu ist, erstmals praktisch jedermann angeschlossen ist, erste Strassenfeger entstanden sind und noch nicht zu viele Kan\u00e4le das &hellip; <a href=\"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/weltgeschehen\/2003\/11\/beitrag-tv-hauszeitung-zu-50-jahre-schweizer-tv-2003\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-440","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weltgeschehen"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/440","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=440"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/440\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11024,"href":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/440\/revisions\/11024"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=440"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=440"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=440"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}