{"id":14260,"date":"2022-10-17T23:11:22","date_gmt":"2022-10-17T22:11:22","guid":{"rendered":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/?p=14260"},"modified":"2022-11-17T17:13:17","modified_gmt":"2022-11-17T16:13:17","slug":"pikante-erinnerung-an-eine-pressekonferenz-im-verkehrshaus-die-niemand-kennt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stanek.ch\/wordpress\/weltgeschehen\/2022\/10\/pikante-erinnerung-an-eine-pressekonferenz-im-verkehrshaus-die-niemand-kennt\/","title":{"rendered":"Pikante Erinnerung an eine Pressekonferenz im Verkehrshaus, die vielleicht niemand mehr kennt&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte die Leitung einer Pressekonferenz mit Fragen von meist eingeladenen Journalisten auf Einladung der Internationalen Astronautischen F\u00f6deration im Verkehrshaus Luzern. Anwesend die Astronauten Lovell (er sprach nur englisch) und Kosmonaut Sewastianov (er sprach russisch und deutsch, sein Botschafts-\u00dcbersetzer nur franz\u00f6sisch). Es wurde eine heute fast unglaubliche Anekdote. <\/p>\n<p>Termin war der 28. September 1971 vormittags etwa ab 10 Uhr. Ich war zuvor noch auf meiner Bank in Oerlikon nach einer Fahrt aus Basel von meinem Job im Rechenzentrum von Sandoz! Mit Verkehrshausdirektor Alfred Waldis war der Anlass (mein Originaleintrag in der Agenda lautete nur 10:00, 11:00 Verkehrshaus&#8230;), wie damals leider \u00fcblich, nur m\u00fcndlich verabredet, viele Monate zuvor, und nie r\u00fcckbest\u00e4tigt! Ich nahm aber den Tag doch frei, weil mich die Gelegenheit reizte, und reiste via Z\u00fcrich-Zug an, wo ich die Freundin Annemarie Sch\u00f6nenberger im B\u00fcro an der Baarer Strasse noch ahnungslos ruhig einen Brief fertig schreiben liess. Weiterfahrt nach Luzern, dort erst noch auf die Toilette im obersten Stock des verd\u00e4chtig ruhigen Verkehrshauses und ohne Eile zusammen mit meiner langhaarig blonden Begleiterin so leise wie m\u00f6glich von hinten in den total \u00fcberf\u00fcllten Pressesaal. Mit Blick auf der Suche nach dem letzten Platz f\u00e4llt mir nur noch einer auf: zwischen Alfred Waldis und den Astronauten am Kopf des Tisches!! Waldis winkt. Augenblickliche Erfassung der Situation, Platz einnehmen. Annemarie l\u00e4sst sich zuhinterst nieder, wo ihr nat\u00fcrlich sofort jemand Platz macht. Ich schreite, ohne jede sichtbare Nervosit\u00e4t, &#8222;scheinheilig gelassen&#8220; nach vorn, als w\u00e4re alles so geplant gewesen, und setze mich hin. Waldis beginnt unmittelbar zu sprechen. Nach einem oder zwei S\u00e4tzen gibt er mir das Wort! <\/p>\n<p>Das unglaubliche passiert: mein Gehirn und meine Nerven lassen mich ein weiteres Mal nicht im Stich: Nach wenigen Sekunden Vorbereitung w\u00fcrdige ich die einmalige Ost-West-Situation, dass sich ein amerikanischer Astronaut und ein russischer Kosmonaut in einem neutralen Land den Fragen des Publikums stellen w\u00fcrden! Ohne genaue Instruktion zum Prozedere der PK auf deutsch und englisch. Zwecks Erw\u00e4rmung des Publikums und mit meinem Privileg als Moderator stelle ich gleich die erste Frage. Welche genau, das ist das Einzige, was ich bis heute vergessen habe, aber beide Raumflieger beantworteten sie erwartungsgem\u00e4ss interessant und intelligent, wie man es erwarten konnte. Niemandem fiel auf, dass alles rein zuf\u00e4llig so professionell ablief. <\/p>\n<p>Die Fragestunde nahm ihren Fortgang, wobei mir die Kenntnisse in den drei Sprachen \u00e4usserst n\u00fctzlich wurden. Niemand schien etwas zu merken, und die wahre Story wurde von mir erst Jahre sp\u00e4ter gelegentlich als heitere Anekdote im kleinsten Kreis erz\u00e4hlt, wobei aufgrund der Reaktionen allf\u00e4llig m\u00f6glicher Zeugen des damaligen Geschehens wirklich niemand etwas gemerkt zu haben schien. Abends hatte ich gem\u00e4ss Agenda ein weiteres weiteres Referat in der Klus BL bei Sandoz, irgendetwas mit Maturanden, mit \u00dcbernachtung dort im Lager der noch j\u00fcngeren Studiosi. Die nicht passierte Katastrophe vom Morgen war schon kein Thema mehr.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme, wo etwas mehr Zuh\u00f6rer von der Fast-Katastrophe erfuhren, wenn auch erst viele Jahre sp\u00e4ter bei den 3. Deutschen Raumfahrttagen in Morgenr\u00f6the-Rautenkranz, war am 19. Juni 1999. Dies in Gegenwart mehrerer Kosmonauten und Professor Mischin, dem Leiter des russischen Mondflugprogrammes nach dem Tod von Koroljov 1966. Da auch viele weltraumbegeisterte junge Ostdeutsche im Saal sassen (es war erst ein Jahrzehnt nach der Wende!) wendete ich mich vor allem an sie, als ich die Anekdote als eine Erinnerung aus den Mondflugjahren etwas verk\u00fcrzt erz\u00e4hlte. Das Thema \u00fcber meine Begegnungen mit Mondfliegern war n\u00e4mlich der Grund, weshalb man mich in den Osten eingeladen hatte. Dort herrschte weiterhin grosse Neugier \u00fcber das jahrelang totgeschwiegene Apollo-Programm der NASA. Ich empfahl vor allem den jungen Zuh\u00f6rern, halb im Ernst, dass sie in ihrem Leben unbedingt daf\u00fcr sorgen sollten, dass ihnen auch einmal so etwas passiert! Dann n\u00e4mlich h\u00e4tten sie die beruhigende Gewissheit, dass ihnen \u00fcberhaupt nichts mehr passieren k\u00f6nne&#8230;<\/p>\n<p>Den Hauptzeugen der Story, Alfred Waldis, habe ich erst 30 Jahre sp\u00e4ter bei einem Rotary-Anlass in Luzern \u00fcber meine Erinnerungen eingeweiht. Ich habe jedoch von ihm nie erfahren, wie lange er auf mich warten musste, aber lange konnte es aufgrund der scheinbar nie unterbrochen ruhigen, professionellen, Atmosph\u00e4re nicht gedauert haben. Er schien wirklich nie gewusst zu haben, welcher internationalen Katastrophe wir damals aus reinem Gl\u00fcck hatten ausweichen k\u00f6nnen. Oder doch? Er sagte n\u00e4mlich gar nichts, und wir blieben gute Freunde, weil ich ihm bei solchen Anl\u00e4ssen noch mehrmals \u00fcber die Jahre eine unbezahlbare Hilfe blieb. Es war nat\u00fcrlich ein grosser Vorteil dabei, dass ich die Astronauten oft nicht zum ersten Mal traf oder ihre Missionen sogar vom Start bis zur Landung vor Ort miterlebt hatte und wusste, wor\u00fcber sie vermutlich gerne sprechen w\u00fcrden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte die Leitung einer Pressekonferenz mit Fragen von meist eingeladenen Journalisten auf Einladung der Internationalen Astronautischen F\u00f6deration im Verkehrshaus Luzern. 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